Monday, 9 March 2015

Wer kommt mit?

Die ganze Welt ist dem Geld und der (Zeit-)Logik unterworfen. Nein, nicht ganz: Ein kleines Volk in Amazonien, mit kaum 400 Menschen, ist standhaft geblieben. Es nennt sich "Hi'aiti'ihi" (die Aufrechten), Pirahã heißen sie bei den Weißen und Wissenschaftlern. Sie führen ein "Leben ohne Zahl und Zeit", schreibt der Spiegel.Außerdem kennen sie keinen Gott und keine Götter, haben keine Rituale und keinen Besitz. "Hüter der Glücksformel" werden sie auch genannt, weil der erste Erforscher ihrer Lebensweise und ihrer komplizierten Sprache, der Linguist Dan Everett, sie als "Das glücklichste Volk" beschrieb.

Mit den "Werten" ist ihr unbedingter Wille zum Sein in "unbegrenzter Gegenwart" gemeint. Die Pirahã kennen weder Vergangenheit noch Zukunft - und akzeptieren sie auch nicht. Everett spricht von ihrem "Prinzip des unmittelbaren Erlebens", dem er viel abgewinnen konnte, nachdem er ihre Sprache gelernt hatte: "Die Pirahã sind ganz und gar dem pragmatischen Konzept der praktischen Relevanz verhaftet. Sie glauben nicht an einen Himmel über uns, an eine Hölle unter uns oder irgendeine abstrakte Sache, für die zu sterben sich lohnt. Damit verschaffen sie uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie ein Leben ohne absolute Werte, ohne Rechtschaffenheit, Heiligkeit und Sünde aussehen könnte. Das ist eine reizvolle Vision."